Wie werden in Deutschland Kredite verwendet?

Heute sind Kredite in Deutschland relativ normal und, sollten sämtliche Ratenkäufe miteinbezogen werden, sind in fast allen Haushalten zu finden. Eine Frage stellt sich dennoch: Wofür verwenden Deutsche eigentlich Kredite? Das Magazin www.kreditheld.de ist genau dieser Frage nachgegangen und hat einmal geschaut, für welche Zwecke Deutsche besonders häufig einen Kredit aufnehmen und welche Kreditform sich dahinter verbirgt. In diesem Beitrag wird einmal genauer auf die Ergebnisse eingegangen.

Autokredite sind am beliebtesten

Die Studie brachte höchst interessante Ergebnisse. Allein im vergangenen Jahr haben 4 von 10 Deutschen einen Kredit aufgenommen. Die häufigste Kreditvariante dabei sind Ratenkredite, Dispokredite und letztlich die Immobilien- und Baufinanzierungskredite. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, wofür diese Kredite überhaupt benötigt wurden. Die Ausnahme stellen hier natürlich die Baufinanzierungen und Immobilienkredite dar, da ihr Zweck festgeschrieben ist. Bei den Ratenkrediten ist die Autofinanzierung besonders gängig:

  • Fahrzeuge – rund 33 Prozent der aufgenommenen Ratenkredite wurden für die Anschaffung eines Kraftfahrzeugs verwendet.
  • Variante – die Studie sagt nicht aus, ob die Autokredite über das jeweilige Autohaus oder über einen anderen Kreditgeber aufgenommen wurden. Andere Studien geben jedoch an, dass Autokäufe häufig mit einem eigenständigen Kredit begangen werden. Die Gründe liegen auf der Hand: Es sind Vergleiche möglich, aber auch die Rückzahlung kann selbst bestimmt werden. Zudem bietet ein selbst abgeschlossener Kredit den Vorteil, dass das Auto in bar bezahlt werden kann. Hierfür gibt es häufig noch Prozente.

Männer nehmen übrigens häufiger einen Kredit auf, als Frauen, auch ist die Summe mit rund 10.800 Euro um 1.000,00 Euro höher, als die Kreditsumme von Frauen. Erschreckend ist, dass bislang nur rund 37 Prozent der Kreditkunden im Vorfeld wirklich einen Kreditvergleich durchführen.

Generell ist es freilich nicht verwunderlich, dass besonders häufig Autokredite genutzt werden. Der Kaufpreis eines Fahrzeugs – ob gebraucht oder neu – ist von vielen Menschen nicht vom eigenen Guthaben zu stemmen.

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Konsumfinanzierung ebenfalls sehr häufig vorzufinden

Auch die Konsumfinanzierung bleibt hoch. 24 Prozent der aufgenommenen Kredite wurden für Gebrauchsgüter genutzt. Werden nun noch die 12 Prozent der Kredite, deren Zweck »Wohnung« ist, hinzugerechnet, übersteigt die Gesamtsumme sogar die der Autokredite. Aber welche Gebrauchsgüter erfordern bei so vielen Menschen einen Kredit? Ein Überblick:

  • TV-Geräte – viele Personen nehmen für die Anschaffung eines neuen TV-Geräts einen Kredit auf. Waschmaschinen – auch sie werden häufig finanziert.
  • Spielekonsolen – sie treiben die Gesamtzahl der Kredite für Gebrauchsgüter ebenfalls nach oben.
  • Wohnung – in diesen Bereich fallen Umzüge, Renovierungen, aber auch Möbel, was auch wieder als Gebrauchsgut gezählt werden kann.

Zuerst erscheinen diese Produkte erschreckend, denn muss wirklich ein Kredit aufgenommen werden, um eine Playstation zu kaufen? Hier kommt jedoch eine weitere Kreditart ins Spiel: Ratenkredite direkt beim Händler:

  • Zahlpause – die Zahlpause stellt bereits eine Form des Kredits dar. Sie kann sogar einen Ratenkredit darstellen, denn viele Zahlpausen setzen die erste Rate zeitlich in die Zukunft. Mit der Abbezahlung wird daher erst drei Monate später begonnen.
  • Ratenzahlungen – auch dies sind Kredite. Der Kunde hat bereits das Produkt, zahlt dieses aber in Monatsraten ab.
  • Vertrag Plus – eine Vielzahl der Handyverträge sind gleichfalls Ratenkredite. Jeder Handyvertrag, bei dem das Smartphone über die Grundgebühr über 24 Monate abbezahlt wird, ist für sich genommen ebenfalls ein Kredit.

Werden diese Fakten als Grundlage genommen, ist die Anschaffung von Unterhaltungsgeräten über einen Kredit gar nicht mehr so ungewöhnlich. Der einzige Unterschied ist, dass keine direkte Geldsumme aufgenommen wird.

Teure Dispokredite werden oft genutzt

Dieser Punkt der Studie ist durchaus erschreckend. Rund 32 Prozent der Deutschen nutzen einen Dispokredit. Sicherlich ist dieser bei vielen Girokonten direkt mit enthalten, doch ist die Nutzung des Dispos in der Regel die schlechteste Variante:

  • Kosten – die Nutzung eines Dispokredits ist teuer. Die Konditionen sind stets weit schlechter, als bei simplen Ratenkrediten.
  • Problematik – die geduldete Überziehung eines Girokontos ist nicht nur teuer, sie birgt unheimliche Gefahren. Zum einen verschwindet monatlich ein Teil des Einkommens, um das Minus abzudecken. Zum anderen kommt es häufig vor, dass die Zahl immer weiter ins Minus sinkt. Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass auch keine Einnahmen mehr zu einem positiven Kontostand führen oder aber, dass der Dispo nicht mehr ausgeglichen werden kann.
  • Überschuldung – der Dispo kann leicht zu einer Überschuldung führen: Dann, wenn er nicht mehr ausgeglichen werden kann. Wird der geduldete Rahmen auch noch überzogen, kann die Bank den Dispo kündigen. Nun muss ein sofortiger Ausgleich erfolgen.

Aufgrund der häufigen Nutzung des Dispokredits ist es nicht verwunderlich, dass 10 Prozent der befragten Studienteilnehmer einen Ratenkredit für die Umschuldung nutzen. Sicherlich kann die Umschuldung auch einen anderen Ratenkredit zu besseren Konditionen ablösen, doch werden tatsächlich viele Kredite aufgenommen, um den Dispo auszugleichen. Und das hat Vorteile:

  • Geringe Kosten – wer einen kleinen Konsumentenkredit mit guten Konditionen aufnimmt und damit den Dispo ausgleicht, kommt aus dem Strudel der roten Zahlen hinaus und spart die Dispozinsen.
  • Leichtere Rückzahlung – eine Kreditrate geht fix vom Konto ab. Die Rückzahlung eines Ratenkredits ist damit wesentlich einfacher, als sich monatlich vorzunehmen, 100,00 Euro für die Abbezahlung des Dispos stehenzulassen.
  • Notgroschen – ist die Kreditsumme höher, als die Disposumme, kann der Überschuss als Notgroschen beiseitegelegt werden. Anstatt nun wieder das Konto zu überziehen, wenn eine Autoreparatur ansteht, ist jetzt ein gewisses Sparvermögen vorhanden, welches genutzt werden kann.

Wer über längere Zeit im Dispo ist, sollte stets überlegen, ob ein Ratenkredit nicht die sinnvollste Alternative wäre.

Fazit – Kredite sind gesellschaftstauglich

Die Zeiten, in denen Kredite gar nicht aufgenommen und, wenn sie genutzt wurden, über sie geschwiegen wurde, sind vorbei. Heute sind Kredite nahezu in jedem Haushalt vorhanden, was sicherlich auch an der Art der Kredite liegt. Ratenzahlungen, selbst eine über das Autohaus gesteuerte Autofinanzierung, werden von vielen Menschen nicht als »echter Kredit« betrachtet. Negativ ist sicherlich, dass weiterhin eine große Anzahl von Bürger den Dispokredit des Kontos nutzt – eine Kreditart, die Gefahren birgt und teuer ist.