Elektroautos deutlich teurer als vergleichbare Benziner – rechnet sich der höhere Kaufpreis?

Elektroautos fahren emissionsfrei, sind umweltfreundlich und sehen gut aus – diese Vorteile spiegeln sich allerdings im hohen Anschaffungspreis wider. Lohnt es sich dennoch, den Benziner stehen zu lassen und auf die E-Mobilität umzusatteln?

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Elektroautos fahren emissionsfrei, sind umweltfreundlich und sehen gut aus – diese Vorteile spiegeln sich allerdings im hohen Anschaffungspreis wider. Lohnt es sich dennoch, den Benziner stehen zu lassen und auf die E-Mobilität umzusatteln?

Autofahren ohne die Umwelt zu belasten – wer davon träumt, kann sich als nächsten Neuwagen sicherlich ein Elektroauto vorstellen. Allerdings können die hohen Anschaffungskosten dem guten Vorsatz schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Nicht nur wegen begrenzter Reichweite und langer Ladezeiten stehen E-Autos in der Kritik – auch ihre hohen Kosten treffen auf Unmut. Im Vergleich sind die Fahrzeuge deutlich teurer als modellgleiche Benziner oder Diesel. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum lohnt sich ein Elektroauto überhaupt?

Für wen kann sich ein E-Auto trotz hoher Anschaffungskosten lohnen?

Elektroautos gehen mit zahlreichen Vorzügen einher, haben allerdings auch einen gravierenden Nachteil: den Preis. Dieser ist oftmals so hoch, dass selbst die Elektro-Kaufprämie, der sogenannte Umweltbonus, keinen wirklichen Kaufanreiz bietet. Der kombinierte Zuschuss – ausgegeben von Autoherstellern und Staat – in Höhe von stolzen 4.000 Euro kann noch bis zum Jahresende 2020 in Anspruch genommen werden. Dass die Kosten der E-Autos nicht alle Käufer abschrecken, belegen die Verkaufszahlen. Immerhin rollten 2019 bereits über 83.000 E-Autos lautlos über Deutschlands Straßen.

Durch die hohen Kosten könnte man denken, dass die Käufer eines Elektroautos einen finanziellen Verlust erdulden, um ihr Umweltgewissen zu beruhigen. Doch das stimmt nicht. Denn insgesamt sind die elektrisch betriebenen Fahrzeuge oftmals günstiger als gedacht. Wer nur auf den Kaufpreis achtet, hat mit der Behauptung vom teuren E-Auto nicht unrecht. Immerhin treibt die Batterie mit ihren kostenintensiven Rohstoffen den Anschaffungspreis in die Höhe. Bei einer Betrachtung aller Kosten über einen mehrjährigen Zeitraum ändert sich das Bild jedoch. In der Gesamtschau sind die E-Autos sogar günstiger als vergleichbare Benziner und Diesel.

Wie sich mit einem Elektroauto auf lange Sicht Geld sparen lässt

Am VW Golf lässt sich der Kostenunterschied gut dokumentieren. Mit einem Benzinmotor kostet der Wagen rund 30.000 Euro. Die E-Variante ist gut 5.900 Euro teurer. Jedoch spart das Elektroauto ab dem Zeitpunkt des Kaufs gegenüber dem Benziner Geld. Das liegt zunächst an der Steuer. Immerhin werden alle E-Fahrzeuge, die bis zum 31. Dezember 2020 angemeldet werden, für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Dagegen müssen Besitzer eines benzinbetriebenen Modells jährlich 126 Euro berappen. Auch bei der Kfz-Versicherung kann ein Fahrzeug mit Elektroantrieb punkten, da spezielle Tarife mit günstigen Konditionen locken. Dementsprechend kann es für E-Autokäufer sinnvoll sein, die alte Kfz-Versicherung zu kündigen und sich nach einer besseren Alternative umzusehen.

Auch bei den Werkstattkosten ist die Elektroversion des VW Golf deutlich kostengünstiger als der Benziner. Der Grund besteht beispielsweise im geringeren Bremsenverschleiß. Knapp 80 Euro können hier mit dem E-Auto jährlich gespart werden. Die größte Einsparung besteht jedoch im Verbrauch. Bei einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern ist der e-Golf stolze 700 Euro günstiger als der Benziner, sofern von den Durchschnittspreisen für Benzin und Strom ausgegangen wird. Wer diese Summe pro Jahr spart, ist für den höheren Anschaffungspreis eines Elektrofahrzeugs entschädigt worden.

TIPP: Um sich den Traum vom E-Auto zu erfüllen, gibt es mehrere Finanzierungsmöglichkeiten. Haben die Autokäufer nicht genug Kapital für den Direktkauf, können Sie beispielsweise einen Autokredit aufnehmen. Hierbei werden für E-Fahrzeuge besondere Konditionen angeboten. Auch eine Ballonfinanzierung ermöglicht es, die Anschaffungskosten zu stemmen und umweltfreundlich durch den Straßenverkehr zu rollen.

Welche Faktoren beeinflussen die Kosten eines Elektroautos?

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Wer oft und viel mit dem Elektroauto unterwegs ist, muss unter Umständen an einer Schnellladestation „auftanken“. Hierbei sollten höhere Stromkosten als beim Laden an der heimischen Station eingeplant werden.

In der Gesamtkostenbetrachtung liegt der e-Golf mit seinem benzinbetriebenen Pendant gleichauf. Wird die Kaufprämie im Wert von brutto 4.380 Euro gegengerechnet, geht der Stromer sogar mit einem deutlich Kostenvorteil einher. Bedenken sollten die Käufer, dass sich oftmals die Ausstattungsformen zwischen Benziner, Diesel und E-Variante unterscheiden. Zahlreiche Fahrzeughersteller bieten ihre Elektromodelle sogar ausschließlich mit einem gehobenen Ausstattungsstandard an. Die Fahr- und Ladeprofile der Käufer weisen gravierende Unterschiede, welche die Kosten beeinflussen können, auf. Für Nutzer, die viel mit dem E-Auto unterwegs sind, führt oftmals kein Weg an einer Schnellladestation vorbei. Hier muss mit einem vergleichsweise hohen Strompreis gerechnet werden.

Um Kosten zu sparen kann es sinnvoll sein, überschüssigen Solarstrom vom eigenen Dach zum Laden zu benutzen. Auf die Weise lässt sich zusätzliches Geld sparen. Beim Kauf eines Neuwagens sollten Interessenten an einem Elektroauto beachten, dass der individuelle Verhandlungsspielraum beim Kaufpreis in der Regel geringer ausfällt als bei einem Fahrzeug mit klassischer Antriebsform.

Bevor es an den Kauf eines Neuwagens geht, sollten Autokäufer für sich entscheiden, ob sich der Umstieg auf die Elektromobilität lohnt. Dafür ist es sinnvoll, weitere Parameter in den Kostenvergleich einfließen zu lassen. Im Internet finden sich mehrere Rechner, die eine entsprechende Vergleichsrechnung erleichtern. Daneben spielen die persönlichen Kaufmotive eine Rolle. Schlägt das Herz für den Umweltschutz, stellt das E-Auto die logische Wahl dar. Passionierte Autofans könnten allerdings das Schnurren des Motors vermissen. Um sicher zu gehen, dass sie die richtige Wahl treffen, sollten sich die Kaufinteressenten bei einer Probefahrt von ihrem Wunschmodell überzeugen.