Reimport von EU-Neuwagen – Kosten, Steuern und Tipps

Auf der Suche nach günstigen Neuwagen stoßen viele Interessenten früher oder später auf Autos, die als Reimport aus der EU gekennzeichnet sind. Die Fragen, die sich hier stellen, sind:

  • Was ist ein EU-Reimport?
  • Warum sind diese Autos häufig so viel günstiger?
  • Ist das vermeintliche Schnäppchen tatsächlich ein solches oder gibt es einen Haken?

Auf jene und einige weitere wichtige Aspekte bezieht sich der folgende Ratgeber.

eu-neuwagen

Was bedeutet EU-Reimport?

Reimport-Wagen sind grundsätzlich Fahrzeuge, die in Deutschland hergestellt werden, jedoch für den Export in andere europäische oder weitere Länder vorgesehen sind. Nach der Fertigstellung werden diese Autos dementsprechend ins Ausland verfrachtet. Dort haben selbstverständlich auch deutsche Interessenten die Möglichkeit, sie zu erwerben. Geschieht dies, spricht man von einem Reimport.

Der Unterschied zwischen einem Reimport- und einem Import-Auto zeigt sich wie folgt: Ein Import-Fahrzeug wurde nicht in Deutschland hergestellt, sondern für den ausländischen Markt im jeweiligen Staat oder irgendeinem anderen Land gebaut. Ein Import ist es dann, wenn ein solcher Wagen nach Deutschland verkauft wird.

Warum sind Autos als EU-Reimporte fast immer günstiger?

Das ist eine der Fragen, die sich wohl alle Kaufinteressenten stellen. Ein Neuwagen wird in Deutschland hergestellt, daraufhin in ein anderes Land verfrachtet und schlussendlich zurück in das Herstellungsland transportiert. All das klingt nach einem großen Aufwand, der logischerweise dazu führen müsste, dass das Fahrzeug deutlich teurer wird.

Für die doppelte Überführung fallen hohe Kosten an, die sich in jedem Fall auf den Preis niederschlagen, oder? Tatsächlich ist dem nicht so. Die Preise von Reimport-Autos – speziell aus der EU – liegen mitunter 30 Prozent, teilweise sogar 40 Prozent unter dem Preisniveau, das in Deutschland für das entsprechende Modell angenommen wird.

  • Wie ist ein derart hoher Rabatt bei einem reimportierten Neuwagen möglich?
  • Was genau macht diese Fahrzeuge so viel preiswerter?
  • Muss ein Käufer hier etwa mit qualitativen Einbußen rechnen?

Letzteres ist ganz sicher nicht der Fall, denn der Reimport wird schließlich in derselben Produktion gefertigt wie das, im Inland zum Kauf angebotene, KFZ. Dabei werden selbstverständlich auch dieselben Materialien verbaut und identische Technik kommt ebenfalls zum Einsatz.

Wie kann es dann sein, dass sie Kosten für die Autos dann teilweise unter den deutschen Preisen liegen?

Zwei fundamentale Faktoren sind hier zu berücksichtigen. Tatsache ist, dass das Preisniveau in sehr vielen Ländern deutlich unter dem in Deutschland liegt. Die Hersteller sind also gezwungen, ihre Wagen in diesen Ländern zu einem entsprechend niedrigeren Preis zu vertreiben, da sie ihre Modelle sonst nicht an die Frau oder an den Mann bringen können. Die geringere Kaufkraft bewirkt, dass der Neuwagen beispielsweise in Tschechien sehr viel günstiger ist als bei uns in Deutschland.

mann-in-auto

Der zweite entscheidende Grund für den günstigeren Preis liegt in den steuerlichen Unterschieden. Wird ein neues Auto in Deutschland verkauft, geht das mit einem Aufschlag an Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent einher. Das ist im europäischen Vergleich tatsächlich nicht viel. Es gibt nur wenige europäische Länder, die einen geringeren Mehrwertsteuersatz als Deutschland haben. Darunter sind Malta mit 18 Prozent und Luxemburg mit 17 Prozent. Die meisten Länder in der Europäischen Union erheben weitaus höhere Prozentsätze, wie die folgende Auflistung beispielhaft zeigt:

  • Lettland, Belgien, Niederlande, Litauen, Tschechische Republik, Spanien: 21 Prozent
  • Slowenien, Italien: 22 Prozent
  • Portugal, Polen: 23 Prozent
  • Griechenland, Finnland: 24 Prozent
  • Kroatien, Dänemark, Schweden: 25 Prozent
  • Ungarn:27 Prozent

Die Mehrwertsteuer muss allerdings nicht im Land des Kaufs entrichtet werden, sondern in dem Land, in dem der Käufer gemeldet ist. Für einen Reimport nach Deutschland fallen also stets 19 Prozent an. Aber wie kann daraus ein günstigerer Kaufpreis resultieren?

Das ist im Grunde ganz einfach: Erwirbt ein Deutscher im Ausland ein KFZ, ist dieses durch das gegebenenfalls sehr viel geringere Preisniveau im Herkunftsland bereits günstiger. Wird dann noch eine eventuell hohe Mehrwertsteuer durch die deutsche ersetzt, fällt der Preis weiter.

Zulassungssteuer in Deutschland

Die Mehrwertsteuer ist jedoch nicht die einzige steuerliche Belastung, die zum Sparpotenzial bei einem Reimport beiträgt. In diversen Ländern ist obendrein eine spezifische Zulassungssteuer fällig. Jene ist von Staat zu Staat unterschiedlich. In Kroatien hängt sie zum Beispiel vom Kaufpreis und dem Schadstoffausstoß des KFZ ab. In Dänemark wird sie prozentual berechnet. Belgier müssen entsprechend des Hubraums und des Alters ihrer Fahrzeuge zahlen.
Diese steuerlichen Belastungen sind teilweise immens. Damit sich die Einwohner solcher Länder trotzdem den Erwerb eines neuen Fahrzeugs leisten können, werden dort niedrigere Preise angesetzt, die wiederum zum Teil deutlich unter dem Niveau des deutschen Automarkts liegen.

Können mit einem Reimport auch Nachteile einhergehen?

Leider hat die Anschaffung eines Reimports tatsächlich nicht nur Vorteile. Ein entsprechendes KFZ kann über einen Händler oder direkt, privat im Ausland gekauft werden. Die erste Variante ist nicht selten mit Zusatzkosten für die Vermittlung verbunden. Bei der zweiten Anschaffungsmöglichkeit liegt der ganze Aufwand beim Käufer selbst – und dieser ist in der Regel nicht gering, wie nachfolgend dargelegt wird.
Im Allgemeinen sollte auf bestimmte Aspekte besonders geachtet werden.

Der Kaufvertrag sollte selbstverständlich der Rechtslage entsprechen, die im Land des Kaufs gilt. Um das sicherzustellen, muss der Käufer nicht nur rechtskundig sein, sondern ebenfalls die hiesige Sprache beherrschen, denn eine deutsche Vertragsversion gibt es meistens nicht. Es ist also angebracht, sich im Vorfeld mit den juristischen Gegebenheiten genauestens auseinanderzusetzen und eventuell eine Person, die der Landessprache mächtig ist, zu bitten, die Korrektheit des Dokuments zu prüfen.

Nachdem die Papiere übergeben sind, ist die Überführung nach Deutschland zu veranlassen. Hierzu wird ein Ausfuhrkennzeichen des jeweiligen Landes benötigt. Am einfachsten ist der Reimport auf einem passenden Anhänger. Dabei sind keine weiteren Dokumente oder Kennzeichen notwendig.

Steuer auf EU-Autos – Mehrwertssteuer ist abzuführen

Ist das Fahrzeug eingeführt, muss das Finanzamt benachrichtigt werden. Hier zahlt der Käufer die deutsche Mehrwertsteuer. Das ist natürlich mit diversen Formalitäten verbunden.
Neben diesen Aufwänden ist zu beachten, dass Garantieansprüche unter Umständen im Ausland geltend gemacht bzw. Reparaturen bei entsprechenden Vertragswerkstätten im Herkunftsland durchgeführt werden müssen.
Mit der Beauftragung eines Händlers, der auf Reimporte spezialisiert ist, kann der Aufwand deutlich verringert werden. Die damit verbundenen zusätzlichen Kosten sind in den meisten Fällen durchaus akzeptabel. Dabei sollte das Auto natürlich weiterhin deutlich günstiger sein als sein Pendant für den deutschen Markt.

Tipp: Unbedingt auf die Ausstattung achten

Bei einem Reimport-Auto gilt es im Grunde auf dieselben Dinge Acht zu geben wie bei einem im Inland gekauften Wagen. Die Ausstattung bedarf bei Fahrzeugen aus dem Ausland jedoch einer genaueren Ansicht. Insgesamt sind die Wagen, wie oben schon angemerkt, in puncto Qualität genauso gut, es kann jedoch sein, dass diverse Ausstattungsmerkmale voneinander abweichen.

Das liegt unter anderem daran, dass die Käufer nicht in jedem Land ebenso hohe Ansprüche an ein KFZ stellen wie die deutschen Autofahrer. Die Fahrzeuge sind aber nicht nur auf die Vorlieben der Käufer, sondern ebenso auf die Anforderungen im jeweiligen Land zugeschnitten. Beispielsweise ist eine Klimaanlage in südeuropäischen Ländern, wie Italien, Spanien oder Portugal, in praktisch jedem KFZ zu finden – sie zählt dort zur Grundausstattung. Wird also ein Reimport-Fahrzeug aus einem dieser Staaten ins Auge gefasst, kann davon ausgegangen werden, dass es ein entsprechendes „Extra“ aufweist, wohingegen es in Nordeuropa, zum Beispiel in Finnland oder Norwegen, eventuell nicht verbaut ist. Dafür sind dort spezifische Winterpakete häufig als Basisausstattung integriert.

Weitere wichtige Abweichungsfaktoren resultieren aus den jeweiligen Sicherheitsbestimmungen des Herkunftslandes. Jene unterscheiden sich nicht selten von den deutschen Standards. So zählt beispielsweise ABS oder das ESP hierzulande mittlerweile zum Standard. In vielen anderen Ländern sieht das jedoch ganz anders aus. Selbst die elektronische Wegfahrsperre, die in Deutschland von praktisch allen Versicherungen gefordert wird, ist längst nicht in jedem Staat Bestandteil der Grundausstattung.

Quellen:

http://www.t-online.de/auto/technik/id_46159210/auto-reimporte-vor-und-nachteile.html

https://www.adac.de/infotestrat/fahrzeugkauf-und-verkauf/import-export/Exportkennzeichen/default.aspx

https://www.take-your-car.de/

http://www.rp-online.de/leben/auto/autokauf/eu-autos-vorteile-und-nachteile-beim-reimport-aid-1.6131510

https://europa.eu/youreurope/business/vat-customs/buy-sell/index_de.htm