Fremdwährungskredit: Eine Option für eine günstige Finanzierung?

Der Kreditmarkt hat sich in den letzten 150 Jahren extrem stark verändert. Im 19. Jahrhundert mussten sich Sparer noch zusammenschließen, um ein Eigenheim zu errichten. An eine Finanzierung durch eine Bank war damals noch nicht zu denken. Aus diesen Vereinigungen entstanden übrigens die modernen Bausparkassen. Vor dem zweiten Weltkrieg war es selbst für Privatpersonen mit einer guten Geschäftsidee kaum möglich ein Darlehen bei einem Bankhaus aufzunehmen.

Wer etwas mehr Glück hatte, konnte sein Vorhaben durch die Familie finanzieren lassen. Doch seit dem deutschen Wirtschaftswunder in den 50iger Jahren erhalten immer mehr Menschen Zugang zu zunehmend günstigeren Krediten. Seit dieser Zeit wuchs auch die Anzahl der Finanzierungsformen derart rasant an, dass heute die Wahl der richtigen Form die einzig verbleibende Qual darstellt. Um diese schwere Wahl zu erleichtern umreißt dieser Beitrag die Vor- und Nachteile einer ganz besonderen Finanzierung – nämlich mittels einer fremden Währung. Vielleicht ist diese Finanzierungsoption genau das Richtige für Ihren Bedarf.

Wie definiert sich ein Fremdwährungskredit?

Eine Fremdwährungskredit liegt immer dann vor, wenn der Kreditnehmer ein Darlehen aufnimmt, welches in einer ihm fremden Währung ausgezahlt und zurückgezahlt wird. Damit der Kreditnehmer das Kapital bei ihm im Inland verwenden kann, müssen die Devisen erst umgewechselt werden. Ein erneuter Wechsel muss bei der Tilgung der Kreditsumme erfolgen. Durch diesen mehrfachen Wechsel ergeben sich mehrere Risiken, auf die wir noch eingehen werden. Doch trotz dieser Risiken sind zahlreiche Darlehensnehmer bereit dazu, diese Art von Kredit zu wählen.

Wo werden Fremdwährungskredite gerne eingesetzt?

Der populärste Verwendungszweck im privaten Bereich liegt im Immobiliensektor. Wohnungskäufe und vor allem der Bau von Häusern wird sehr gerne mit Fremdwährungsdarlehen finanziert. Drei wichtige Merkmale führen zu dieser eindeutigen Präferenz:

  • Diese Vorhaben benötigen meist Finanzierungen mit hohen Kreditsummen.
  • Die Laufzeiten dieser Darlehen sind meist sehr lang und können bis zu 30 Jahre betragen.
  • Diese Kredite werden meist mittels einer Einmalzahlung getilgt.

Alle drei Gründe spielen den Vorteilen der Fremdwährungskredite in die Hände. Wegen diesen Vorteilen könnte auch eine rein spekulative Kreditaufnahme in einer Fremdwährung Sinn ergeben, aber bei geringen Summen und geringen Laufzeiten verringert sich das Gewinnpotential extrem, wodurch die Risiken generell zu hoch sind.Außerdem erhöht sich der größte Risikofaktor, wenn der Fremdwährungskredit in monatlichen Raten zurückgezahlt wird.

Hinweis: Unternehmen mit vielen Exporten ins Ausland können diese Darlehensform dazu verwenden, die Kosten für das Wechseln von Geld niedrig zu halten. Da sich in diesen Fällen aber erfahrene Cashflow Manager um alle Abläufe kümmern, erwähnen wir diesen Verwendungszweck nur hier am Rande.

Welche Vor- und Nachteile bieten Fremdwährungskredite?

Drei Punkte können für oder gegen diese Kreditform sprechen. In allen anderen Bereichen unterscheidet sich der Fremdwährungskredit eigentlich nicht von einem normalen, inländischen Ratenkredit :

  • Zinsdifferenz
  • Wechselkursrisiko
  • endfälliges Darlehen

Die Zinsdifferenz ist meist ein Vorteil

Die Hauptmotivation für die Kreditaufnahme in einer Fremdwährung sind die potentiellen Zinsunterschiede. Derzeit erscheint dies äußerst unlogisch, weil es nirgends geringere Zinsen als im Euroraum geben kann, wo wir bei 0,00 Prozent stehen (Stand Mai 2017). Aber vielleicht schon wieder in der nahen Zukunft kann es sein, dass die EZB die Leitzinsen anhebt, während in anderen Ländern mit eigenen Zentralbanken die Zinssätze sinken, um die dortige Wirtschaft anzukurbeln.

Hinweis: Fremdwährungskredite in japanischen Yen genossen in den 80iger und 90iger Jahren hohe Popularität, da die japanische Zentralbank ihren Hauptrefinanzierungssatz über längere Zeit nahe am Nullwert hielt, wie dies in Europa derzeit der Fall ist.

Wenn die ausländischen Banken günstiger Geld bei ihrer Zentralbank leihen können, dann können sie auch günstiger Kredite vergeben. Genau darauf zielen Fremdwährungskredite ab. Wegen fixen Verzinsungen fällt die Zinsdifferenz zumindest über einen kurzen Zeitraum positiv für den Kreditnehmer aus. Das Zinsrisiko ist also eher gering. Dafür kann ein anderer Risikofaktor für große Probleme sorgen, wenn die Märkte nicht genau genug beobachtet werden.

Das Wechselkursrisiko darf nicht unterschätzt werden

Die jeweiligen Wechselkurse können zum größten Problem bei dieser Kreditart werden. Dieses Risiko können wir anhand eines realen Beispiels aus den letzten Jahren veranschaulichen.

Der Schweizer Franken Kredit

Fremdwährungskredite in Schweizer Franken waren lange so beliebt, da eine Eurobindung vorhanden war. Der volle Wechselkursrisiko kam deshalb erst zum Tragen, als diese Eurobindung im Jahr 2015 aufgehoben wurde. Unter der Bindung gab es immer 1,20 Schweizer Franken für 1 Euro. Nach der Aufhebung der Eurobindung fiel der Euro-Kurs rasant ab. Plötzlich sahen sich alle Kreditnehmer mit einem Kredit in Schweizer Franken mit der Lage konfrontiert, dass sie viel mehr zurückzahlen mussten als sie ursprünglich angenommen haben. Da der Franken plötzlich auf ein annäherndes 1:1 Verhältnis fiel, wurde ihre Finanzierung schlagartig um grob 20 % teurer. Keine Zinsgewinne können solch einen Schlag auffangen.

Dies war einer der gravierendsten Fälle in der Geschichte der Finanzmärkte bezüglich Fremdwährungskredit. Der Schock sitzt immer noch vielen tief in den Knochen. Es kann zwar auch vorkommen, dass sich Wechselkursgewinne ergeben und so der Kreditnehmer doppelt spart. Von Währungen mit Kursbindungen sollte aber jeder Kreditnehmer erst einmal die Finger lassen. Das haben wir durch den Fall Schweiz eindeutig gelernt.

Die endfällige Tilgung ist die Norm

Dieser Unterschied zum gewöhnlichen Ratenkredit fällt vielleicht nicht jedem sofort ein, wenn er oder sie an einen Fremdwährungskredit denken. Trotzdem ist es wichtig ihn zu erwähnen. Die Tilgung der gesamten Kreditsumme erfolgt bei diesen Darlehen meist über eine einmalige Zahlung. Damit am Ende der Laufzeit tatsächlich genügend Kapital vorhanden ist, zahlt der Kreditnehmer laufend in eine Lebensversicherung oder eine ähnliche, mündelsichere Sparform bzw. einen weniger sicheren Fonds ein.

Diese sogenannten Tilgungsträger laufen meist in der Währung des Kreditnehmers. Ohne jetzt von den Risiken eines Fonds oder den geringen Zinsen und hohen Gebühren von Lebensversicherungen zu sprechen, ergibt sich durch diese Handhabe ein ganz spezielles Problem: Wann wird das zuvor erwähnte Wechselkursrisiko realisiert?

Genau das ist vielleicht eines der größten Probleme des Falles Schweiz. Die Reaktion auf die neue Situation ist wegen der endfälligen Abwicklung nicht jedem klar. Der Euro könnte sich theoretisch wieder stark gegenüber dem Franken erholen. Wenn die Laufzeit des Kredites noch lange genug ist, dann existiert garantiert ein Anreiz diese Katastrophe erst einmal auszusitzen und keine Euros in dieser schwierigen Lage in Franken zu tauschen. Würde es sich um einen normalen Ratenkredit mit monatlichen Raten handeln, müsste der Kreditnehmer sofort diesen Wechselkursverlust realisieren. Durch die Endfälligkeit erhält der Fremdwährungskredit aber noch eine weitere zeitliche Dimension, die manche zu ihrem Vorteil nutzen können, aber ebenso zu falschen Spekulationen führt.

Fazit – Fremdwährungskredite

Der große Boom der Fremdwährungskredite dürfte vorüber sein. Der Fall Schweiz dient als große Abschreckung und das Zusammenwachsen der Weltwirtschaft erschwert es zunehmend, große Zinsvorteile mittels dieser Darlehensform zu generieren. Aber es wird immer wieder Finanzexperten geben, die Chancen durch die Finanzierung in einer fremden Währung entdecken. Einem Laien in Sachen Finanzen kann dieser Kredit aber nicht empfohlen werden.

(Visited 23 times, 1 visits today)