Freiwillige Krankenversicherung – Beitrag und Grenzen – Unser großer Ratgeber

Die Krankenversicherung stellt deutsche Bürger immer wieder vor Probleme. Das Ausscheiden aus der gesetzlichen Pflichtversicherung bedeutet, dass eine neue Versicherung freiwillig abgeschlossen werden muss. Zur Auswahl steht eine entsprechende Krankenkasse in der GKV oder der PKV. Da hier naturgemäß Unterschiede gegeben sind, fällt die Wahl nicht immer leicht. In diesem Ratgeber erläutern wir, wie der Wechsel in die freiwillige Krankenversicherung von Statten geht und welche Personengruppen davon betroffen sind.

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Einige Berufsgruppen müssen sich selbst versichern.

Ausscheiden aus der GKV – Betroffene Personengruppen

Im Folgenden Abschnitt werden kurz jene Personengruppen vorgestellt, die unter die Regelung der freiwilligen Krankenversicherung fallen. Davon betroffen sind in erster Linie Selbstständige und Beamte, aber auch Teile der Arbeitnehmerschaft, Studenten, sowie Familienangehörige und zuvor mitversicherte Kinder. Falls gegeben, werden auch Gründe für das Ausscheiden aus der gesetzlichen Pflichtversicherung angeführt.

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Kinder sind meist mitversichert

Generell besteht auch eine Nachweispflicht von Vorversicherungszeiten, um eine gesetzliche Folgeversicherung freiwillig abschließen zu können. Für Mitglieder, die aus der GKV ausgeschieden sind, besteht folgende Vorversicherungszeitenpflicht: 24 Monate versichert innerhalb der letzten fünf Jahre vor Ausscheiden aus der GKV oder mindestens 12 Monate ununterbrochen versichert unmittelbar vor dem Ausscheiden.

Für einige Ausnahmen gelten andere Vorversicherungszeiten, diese werden hier ebenfalls erläutert.

Arbeitnehmer mit einem Verdienst über der Versicherungspflichtgrenze

Grundsätzlich sind Angestellte und Arbeiter in Deutschland in der GKV pflichtversichert und können deren Leistungen in Anspruch nehmen. Allerdings sieht diese vor, dass Angestellte, die mehr als 54.901 Euro Brutto pro Jahr verdienen (aktueller Stand 2015), aus dieser Pflichtversicherung ausscheiden. Wird die Versicherungspflichtgrenze überschritten, muss eine freiwillige Krankenversicherung abgeschlossen werden. In Frage kommt hierfür einerseits die gesetzliche Kasse, andererseits ein privater Anbieter.

Beamte und Selbstständige / Freiberufler

Ebenfalls ausgenommen aus der GKV sind Beamte und Selbstständige / Freiberufler. Auch diese müssen sich um neue Kassen bemühen. Speziell aber für Beamte lohnt sich die GKV in diesem Zusammenhang nicht, da die PKV für Beamte und deren Familienmitglieder einen staatlichen Zuschuss von bis zu 80 Prozent auf Krankenkosten vorsieht.

Ähnliches gilt für Selbstständige, auch diese sollten, speziell bei höheren Einkommen, eher zum privaten Anbieter tendieren. Natürlich gelten auch für Selbstständige trotzallem die Vorversicherungszeiten sowie die Meldefrist bei der entsprechenden Krankenkasse.

Studierende und Promotionsstudenten

Studenten sind bis zum 30. Lebensjahr bzw. bis zum Ende des 14. Fachsemesters in der KVdS versichert. Werden diese Grenzen überschritten und ein Verlängerungsgesuch abgelehnt, erlischt die Versicherungsschutz in der KVdS. Ab diesem Zeitpunkt müssen auch diese sich um eine neue Versicherung kümmern. In jedem Fall sind sogenannte Promotionsstudenten in der freiwilligen Krankenversicherung zu versichern, da die Promotionszeit nicht mehr als Ausbildungszeit bewertet wird. 

Familie und Kinder

Auch Familienmitglieder sind nicht davor gefeit, unter die Regelung der freiwilligen Krankenversicherung zu fallen. Erlischt beispielsweise die Familienversicherung, stellt sich diese unangenehme Situation ein. Davon betroffen sind gleichermaßen Ehepartner / Lebenspartner und Kinder.

Dieser Fall tritt meist dann ein, wenn der Versicherungspflichtige die Versicherungspflichtgrenze überschreitet; selten auch dann, wenn Mutterschutz oder Elternzeit beantragt wird und zuvor keine Mitgliedschaft in der GKV gegeben war.

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Menschen mit schwerer Behinderung

Auch Schwerbehinderte Menschen (§1 Schwerbehindertengesetz) können von dieser Regelung betroffen sein – allerdings wird dies von Kasse zu Kasse anders bewertet und gehandhabt. Einige Kassen sehen hier Altersgrenzen für den Beitritt vor. Hier sollten bereits im Vorfeld entsprechende Erkundigungen eingeholt werden.

Zudem muss eine Vorversicherungszeit von mindestens drei Versicherungsjahren innerhalb der letzten fünf Jahre nachgewiesen werden können; entweder vom Versicherungsnehmer selbst, einem Elternteil oder dem Ehegatten. Ausnahme davon: Die Zeiten konnten auf Grund der Behinderung nicht erfüllt werden.

Auslandsbeschäftigungen und Anstellungen

Versicherte, deren Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse erlischt, da sie eine Anstellung im Ausland annehmen, können bei Rückkehr und Wiederaufnahme einer Angestelltentätigkeit in Deutschland freiwillig eine Krankenversicherung auswählen. Allerdings tritt diese Regelung nur dann in Kraft, wenn innerhalb der ersten beiden Monate nach der Rückkehr nach Deutschland eine Beschäftigung angenommen wird.

Senioren und Rentenbezieher

Personen in Ruhestand, die keinen Anspruch auf eine Pflichtversicherung in der KVdR haben, können sich freiwillig versichern. Gleiches gilt für Rentenbezieher, die nach Stichtag 31. März 2002 versicherungspflichtig geworden sind, die Vorversicherungszeiten aber nicht erfüllen konnten und somit bis zum 31. März 2002 freiwillig versichert waren.

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Rentner sind ebenfalls betroffen.

Des Weiteren betroffen

Des Weiteren können sogenannte Spätaussiedler, sowie Personen von dieser Gesetzgebung betroffen sein, die laufende Leistungen zum Lebensunterhalt (Bundessozialhilfegesetz) bezogen haben, davor aber nie GKV oder PKV versichert waren.

Die Beitrittsfrist in die gesetzliche Krankenversicherung

Wichtig: Die Wiedereintrittsfrist in die freiwillige, gesetzliche Krankenversicherung beträgt 3 Monate nach Ausscheiden aus der gesetzlichen Pflichtversicherung! Innerhalb dieser 3 Monate muss ein entsprechender Antrag SCHRIFTLICH eingereicht werden! Wird diese Frist nicht eingehalten, erlischt dieser Anspruch.

Beginn und Ende der freiwilligen Versicherung

Grundsätzlich beginnt die freiwillige Versicherung in der Krankenkasse mit jenem Tag, der auf das Ende der Pflichtversicherung folgt (gilt gleichermaßen auch für die Familienversicherung), sofern der entsprechende Antrag fristgerecht eingereicht wurde.

Beispiel: Pflichtversicherung endet mit 1.12.2015 – Die darauf folgende startet mit dem 2.12.2015.

Sollte zuvor keine Pflicht- oder Familienversicherung bestanden haben, gilt das Beitrittsdatum als Beginn der freiwilligen Krankenversicherung.

Die freiwillige Versicherung endet dann automatisch, wenn der Versicherungsnehmer kündigt und bereits eine andere Krankenversicherung besitzt (Pflicht), selbst in eine Pflichtversicherung / Vorrangversicherung übergeht oder stirbt.

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Die Kosten für die Behandlungen sollten übernommen werden.

Freiwillige Krankenversicherung – Beiträge, Bemessungsgrundlagen und Beitragsbemessungsgrenzen

Für Arbeitnehmer

Natürlich müssen auch hier Beiträge an die Krankenkasse entrichtet werden, als Mitglied ist man automatisch beitragspflichtig. Allerdings werden die Versicherungsabgaben nicht nur aus dem Bruttoarbeitsentgelt berechnet, sondern aus den gesamten Jahreseinkünften. Als Mindestbeitragsgrundlage wird monatlich von 945 € ausgegangen, gleichgültig ob ein Mitglied über ein Einkommen oder ein geringeres Einkommen als die Mindestbeitragsgrundlage verfügt.

Als Obergrenze gilt die Beitragsbemessungsgrenze, diese beträgt 49.500 Euro jährlich bzw. 4.125 Euro monatlich. Angewandt wird der gültige Prozentsatz von 14,6 % exklusive des Zusatzbeitrages (liegt im Schnitt bei 0,9 %). Für Arbeitnehmer entfallen dabei die 7,6 %, welche der Arbeitgeber übernimmt.

Für Selbstständige

Für Versicherte Selbstständige sind die Pflichtabgaben ungleich höher, da diese den Arbeitgeberanteil von 7,6 % aus eigener Tasche begleichen müssen. Grundsätzlich werden diese von der Beitragsbemessungsgrenze aus berechnet, sollte das Einkommen geringer sein, können ermäßigte Bemessungsgrundlagen beantragt werden.

Diese sehen wie folgt aus:

  • Ohne Gründungszuschuss: 2126,25 € – entspricht Zweidrittel der Bezugsgröße
  • Mit Gründungszuschuss: 1417,50 € – entspricht der Hälfte der Bezugsgröße
Die Bezugsgröße beträgt aktuell: 2835 €.

Darüber hinaus steht es Selbstständigen frei, auf das Krankengeld zu verzichten und im Gegenzug nur 14,0 % plus Zusatzbeitrag an Beiträgen zu begleichen.

Hinweise: Alle Zahlen gelten für das Jahr 2015.

 

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