Bundesschatzbriefe – Konditionen, Vorteile und Alternativen

bundesschatzbriefeDie Finanz- und Schuldenkrisen der vergangenen Jahre haben das Vertrauen der Anleger in die Märkte erschüttert. Fonds verloren dramatisch an Wert, Aktien und Börse begaben sich auf Talfahrten, einst solide Staaten standen nahe dem Ruin. Seit jeher galten Bundesschatzbriefe als Fels in der Brandung – zwar ohne eine sehr attraktive Rendite, dafür aber grundsolide und ohne Risiko.

Allerdings ist es seit Jänner 2013 nicht mehr möglich, das Geld direkt bei Väterchen Staat anzulegen. Der Bund verzichtet nun auf Kleinanleger. Aber es gibt Alternativen – unser Ratgeber zeigt, welche.

Was ist ein Bundesschatzbrief?

deutschlandFestverzinsliche Wertpapiere des Bundes, also der Deutschen Finanzagentur, die nicht in den Börsenhandel gegeben werden, werden als Bundesschatzbriefe bezeichnet. Der Bundesschatzbrief wurde 1969 geschaffen, um einer breiten Bevölkerungsschicht sichere Vermögensbildung zu ermöglichen. Die Zinsen der Papiere steigen mit der Laufzeit an.

Welche Arten von Bundesschatzbriefen werden unterschieden?

Es gibt zwei Arten von Bundesschatzbriefen: Als „Typ A“ wurden jene Papiere bezeichnet, deren Laufzeit sechs Jahre beträgt. Am Ende jedes Jahres werden die Zinsen ausbezahlt – die Zinszahlung ist übrigens steuerpflichtig. Die Zinsen können in neue Bundesschatzbriefe investiert werden.

Die Laufzeit des Bundesschatzbriefes des „Typ B“ beträgt sieben Jahre. Die Zinszahlung unterscheidet sich vom Typ A: Die Zinsen sammeln sich über die gesamte Laufzeit an und werden am Ende der Laufzeit zusammen mit dem Anlagebetrag, dem Nennwert, ausbezahlt. Bei Ende der Laufzeit ist der Gesamtzinsbetrag steuerpflichtig.

Bundesschatzbriefe sind nicht börsennotiert. In diesem Punkt unterscheiden sich die Papiere von Bundesanleihen und Bundesobligationen, die börsennotiert und somit einem Kursrisiko ausgesetzt sind. (Quelle: http://www.deutsche-finanzagentur.de/fileadmin/user_upload/private-anleger/pdf/handmappe/handmappe_bundeswertpapiere.pdf)

Wo kann man Bundesschatzbriefe erwerben?

Bis Anfang 2013 entweder direkt bei der Deutschen Finanzagentur oder bei jedem anderen Kreditinstitut. Bei der Finanzagentur konnten die Schatzbriefe kostenlos erworben und verwahrt werden. Seit Jänner 2013 bietet das Bundesfinanzministerium diesen Dienst nicht mehr an. Wer heute Bundes-Wertpapiere kaufen möchte, kann dies jetzt nur noch bei Kreditinstituten oder Sparkassen tun. Dabei fallen allerdings höhere Gebühren für den Kauf an, die die Rendite weiter drücken. Die Mindestsumme für den Kauf liegt bei 50 € pro Person und Bankgeschäftstag. Eine maximale Investitionssumme ist nicht vorgesehen. (Quelle: http://www.tagesgeld.info/lexikon/bundesschatzbriefe/)

Wie ergeben sich die Zinsen?

Die Auszahlung der Zinsen steigt übrigens progressiv an, ein Anreiz, damit Anleger die Papiere über die gesamte Laufzeit halten. Nachdem der Steuerfreibetrag voll ausgeschöpft ist, müssen die Zinsen versteuert werde. Seit 2009 unterliegen die Zinsen der Abgeltungssteuer anstatt der Kapitalertragssteuer. Die Zinsen werden bereits zum Zeitpunkt des Kaufes festgeschrieben

Wie hoch ist die Rendite dieser Anlagen?

Die Rendite ist relativ niedrig und liegt derzeit bei unter 1 % p.a. Da immer mehr institutionelle Investoren in die sicheren Anleihen des Staates flüchteten, wurde die Rendite in den vergangenen Jahren stark gedrückt.

Wie hoch ist das Risiko dieser Vermögensanlage?

Das Risiko der Bundesschatzbriefe ist gleich Null – sie gelten als topsichere Anlage und stehen deshalb vor allem bei sicherheitsorientierten Anlegern hoch im Kurs. Wer Sicherheit einer attraktiven Rendite vorzieht, ist mit Wertpapieren des Bundes gut bedient. Aus Angst vor der Auflösung der europäischen Währungsunion flüchteten zahlreiche Investoren in Bundesanleihen. Da Bundesschatzbriefe nicht börsennotiert sind, gibt es kein Kursrisiko – im Gegensatz zu Bundesobligationen und Bundesanleihen. Sie sind börsennotiert.

Warum kann ich seit 2013 keine Bundesschatzbriefe bei der Bundesfinanzagentur mehr kaufen?

bundesschatzbriefe-2013Am 4. Juli gab die Finanzagentur Deutschland bekannt, dass keine Bundesschatzbriefe mehr neu aufgelegt werden. Bis ins Jahr 2013 bemühte sich der Staat darum, auch von Privatanlegern Geld geliehen zu bekommen. Ab dem Jahr 2012 war klar: Bundesschatzbriefe gehören der Vergangenheit an. Der Bund ist aus dem Geschäft mit den Kleinanlegern ausgestiegen – aus Kostengründen. (Quelle: http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/leiser-abschied-bund-beerdigt-bundesschatzbriefe/7567564.html)

Wie hoch sind die Gebühren, wenn ich einen Bundesschatzbrief bei Banken kaufe?

Im Grunde müssen Gebühren für den Kauf des Wertpapieres und für dessen Aufbewahrung bezahlt werden. Wer bei der Postbank im Netz Bundesschatzbriefe für 1.200 € kauft, muss 7,95 € an Gebühren bezahlen plus Gebühren für das Depot. Bei der Commerzbank werden mindestens 19,90 fällig, wer die Papiere online ordert, spart 20 Prozent. Hinzu kommen die Depotgebühren. Die ING-DiBa bietet hingegen Sonderkonditionen für Bundesschatzbriefe: Es fallen weder Kauf- noch Depotgebühren an.

Was passiert ab 2013, wenn ich bereits Bundesschatzbriefe gekauft habe?
Im Grunde geht alles weiter wie zuvor: Auf ca. 335.000 Konten haben Sparer etwa 8 Milliarden € in Bundesschatzbriefen angelegt. Die Konten werden einfach weitergeführt, bis alle verwalteten Bundeswertpapiere ausgelaufen sind. Für die bestehenden Konten gilt der Bestandsschutz. (Quelle: http://www.test.de/Bundeswertpapiere-Aus-fuer-Bundesschatzbriefe-4416014-0/)

Kann ich Bundesschatzbriefe vorzeitig zurückgeben – also bevor sie abgelaufen sind?
Die vorzeitige Rückgabe von Bundesschatzbriefen ist möglich, allerdings nur wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: Das erste Laufzeitjahr muss bereits beendet sein, die Anleihe darf maximal 5.000 € Nennwert je Zinstagen und Gläubiger haben. Für die vorzeitige Rückgabe fallen keine weiteren Gebühren an. Bei Banken und Sparkassen werden hingegen womöglich Gebühren fällig.

Welche Alternativen gibt es für den Kleinanleger?
alternativen-bundesschatzWie bereits erwähnt, bieten Kreditinstitute und Sparkassen weiterhin Bundesanleihen und Schatzbriefe an, allerdings müssen Gebühren bezahlt werden. Bessere Zinsen erhalten Kunden bei kostenlosen Online-Depots, in denen sie neben Bundesanleihen auch andere Anleihen und Investmentfonds verwahren können.

Gratis-Depots, die mit attraktiven Tagesgeldkonten verknüpft sind, gibt’s bei Direktbanken (Cortal Consors, Ing-DiBa, netbank etc.). Auch Festgeldkonten bieten meist höhere Renditen als Bundeswertpapiere – und gelten ebenfalls als sicher. Eine weitere Alternative: Anleihen von Bundesländern oder staatlichen Förderbanken wie der KfW-Bankengruppe.

Die Alternativen zu den Bundesschatzbriefen

Da der gebührenfreie Kauf von Bundeswertpapieren und Schatzbriefen seit 1. Jänner 2013 nicht mehr möglich ist, werden für Privatanleger – aber auch für institutionelle Investoren – Alternativen immer interessanter. Wir bieten einen Vergleich von renditestarken, alternativen Geldanlagen zu den Bundeswertpapieren.

Anleihen von Bundesländern und Förderbanken der KfW-Bankengruppe

anleihen-ratingViele Sparer wissen nicht mal, dass es sie gibt: Anleihen von Bundesländern. Sie sind zwar nicht so gut handelbar wie die herkömmlichen Bundesanleihen – dafür sind sie den Bundesschätzen in punkto Sicherheit ebenbürtig. Außerdem bringen sie auch noch etwas mehr Rendite. Dasselbe gilt für Förderbanken des Bundes, z.B. der KfW-Bank. Die Renditeaufschläge für Anleihen der KfW für kurze und mittlere Laufzeiten liegen zwischen 0,2 und 0,4 Prozentpunkten, jene der Bundesländer zwischen 0,4 und 0,6 Prozent 

Gratis-Depots bei Direktbanken

Eine gute Alternative zu Bundesanleihen sind kostenfreie Depots bei Direktbanken, mit denen Bundesanleihen, aber auch andere Wertpapiere, also auch Aktien und Fonds gehandelt werden können. Direktbanken bieten Privatkunden günstige Trades in Echtzeit und kostenloses Aufbewahren der Wertpapiere – ein Vergleich dieser Möglichkeiten zur Geldanlage lohnt sich. Zudem sind viele Depots mit gratis Tagesgeldkonten verknüpft, die Neukunden äußerst attraktive Zinsbedingungen bieten (z.B. Cortal Consors).

Festgeldkonten

Festgeldkonten sind sicher und renditestark. Inzwischen wird die Geldanlage, die dem konventionellen Sparbrief ähnelt, von fast allen Kreditinstituten angeboten. Wer als Sparer auf attraktive Zinsen Wert legt, sollte sich vor allem die Festgeldangebote der Direktbanken anschauen. Direktbanken, also Banken, die ausschließlich im Internet operieren, bieten Kunden äußerst attraktive Zinssätze für Tages- und Festgeldkonten (ING-DiBa, netbank, MoneYou Bank, Bank of Scotland, VTB Bank etc.). So funktioniert ein Festgeldkonto:

  • Zinssatz wird vorweg vereinbart
  • Laufzeit wird vereinbart (zwischen einem Monat und zehn Jahren)
  • Anlagesumme fest über vereinbarten Zeitraum gebunden,
  • bei Ablauf der Laufzeit werden Anlagebetrag und Zinsen ausgeschüttet
  • bei Direktbanken werden keine Gebühren für das Festgeld erhoben

Das Festgeldkonto ist dabei eine äußerst sichere Geldanlage. Jeder Kunde ist bis zu einem Betrag von 100.000 Euro geschützt – über die gesetzliche Einlagensicherung. Einige Kreditinstitute sind zusätzlich noch im freiwilligen Einlagensicherungsfonds vertreten und schützen ihre Kunden bis in die Millionenhöhe ab. Neben der Sicherheit bringt das Festgeldkonto auch attraktive Zinsen: Diese liegen aktuell, je nach Laufzeit, zwischen 0,5 und 3,0 Prozent p.a. (Niedrigzinsphase 2013). Das Zinsniveau bleibt über die gesamte Laufzeit dieselbe, so können Kunden ihren Vermögenszuwachs exakt planen. Wenn Sparer in den kommenden Monaten oder Jahren sinkende Zinsen vermuten, können sie durch ein Festgeldkonto zumindest das aktuelle Zinsniveau halten.
Das Festgeldkonto kann übrigens auch mit einem Tagesgeldkonto kombiniert werden. Ein solches Produkt ist beispielsweise das VTB Duo, wo etwa 20 Prozent der angelegten Summe für die Entnahme zur Verfügung stehen. 

Sparbriefe

sichere-geldanlageIm Grunde bieten Sparkassen und Kreditinstitute ähnliche Produkte an wie die Bundesagentur für Finanzen: Für Spar- und Sparkassenbriefe müssen keine Gebühren bezahlt werden. Die Papiere gelten als bombensicher – ähnlich wie die Bundesschatzbriefe. Und die Zinsen sind gar noch etwas höher als bei den Staatspapieren.

Allerdings ist der Mindestbetrag, der angelegt werden muss, etwas höher als jener der Bundesanleihen: Sparbriefe gibt es ab ca. 500 Euro. Die Zinsen liegen derzeit, je nach Laufzeit, zwischen 0,5 und 2,5 % p.a. Nicht gerade üppig, aber mehr, als Bundesanleihen abwerfen. Sparbriefe wurden inzwischen zu einem Großteil durch die beliebten Festgeldkonten ersetzt.

Österreichische Bundesschatzbriefe

Wer weiterhin auf Staatspapiere setzen und diese auch weiterhin gebührenfrei kaufen möchte, kann das in Deutschland nicht mehr tun. Dafür aber beim Nachbarn: In Österreich werden weiterhin gebührenfrei Staatspapiere ausgegeben – an alle EU-Bürger und kostenlos über das Internet . Österreichische Bundesschatzbriefe können ab Beträgen von ca. 100 Euro gekauft werden. Auch das Konto, das benötigt wird, ist gebührenfrei.

Aktuell gibt es in Österreich etwa 50.000 Euro, auf denen Bundesschatzbriefe schlummern. Die Schatzscheine haben eine Laufzeit zwischen einem Monat und zehn Jahre. Die Wertanlage gilt als äußerst sicher, dementsprechend niedrig sind jedoch die Zinsen, die bei Papieren mit fünfjähriger Laufzeit bei ca. 1,3 % und bei zehnjähriger Laufzeit bei ca. 2,5 % liegen. Die Bundesfinanzagentur in Wien spricht davon, dass das Privatkundengeschäft mit den Bundesanleihen sehr „effizient“ aufgestellt ist – dementsprechend gibt es derzeit keine Überlegungen, dieses einzustellen. (Quelle: http://www.bundesschatz.at/main/start.htmlv)

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  1. […] Darüber hinaus werden Silberbarren häufig in einem Bankschließfach mit den Goldbarren und den Bundesschatzbriefen aufbewahrt. Münzen verstaut man eher zu Hause, vielleicht in einem […]

  2. […] die Anlage in Gold, insbesondere in wirtschaftlichen Krisenzeiten, als sichere Anlage, da sie wie Bundesschatzbriefe oder erstklassige Staatsanleihen einen Werterhalt verspricht. Die Anlage in Gold wird vor allem als […]